Geschäftsbericht 2025

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Umweltverschmutzung stellt eine zentrale Herausforderung in der Bekleidungs- und Textilindustrie dar, insbesondere in den vor- und nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette. Bereits bei der Rohstoffgewinnung können Pestizide und Düngemittel Gewässer verunreinigen, insbesondere in Regionen mit weniger entwickelten landwirtschaftlichen Praktiken. Bodendegradation entsteht durch Überweidung, ineffiziente landwirtschaftliche Praktiken und den übermäßigen Einsatz von Chemikalien, während die unsachgemäße Entsorgung von Textilabfällen zur Verschmutzung von Boden und Grundwasser beiträgt. Die Textilproduktion hat einen erheblichen Einfluss auf die Wasser- und Bodenqualität, insbesondere aufgrund des Einsatzes chemischer Substanzen wie Düngemittel im Baumwollanbau oder verschiedener Verarbeitungshilfsstoffe. Diese Chemikalien kommen vor allem in Nassprozessen wie Färben, Waschen, Bleichen und Gerben zum Einsatz, die durch die Einleitung von unbehandeltem Abwasser wesentlich zur Wasserverschmutzung beitragen. Darüber hinaus setzen synthetische Textilien beim Tragen und Waschen Mikroplastik frei, das in Flüsse und Meere gelangen und somit sowohl Meereslebewesen als auch die menschliche Gesundheit beeinträchtigen kann. HUGO BOSS ist sich dieser Herausforderungen bewusst und engagiert sich aktiv dafür, Umweltverschmutzung in zentralen Stufen der Wertschöpfungskette zu reduzieren, unter anderem durch die Verbesserung des Chemikalienmanagements in Nassprozessen.

Konzepte im Zusammenhang mit Umwelt­verschmutzung

Um die Vermeidung und Kontrolle von Umweltverschmutzung wirksam zu steuern, haben wir entsprechende Richtlinien implementiert. Unsere Umwelt- und Waldschutzrichtlinie bildet den Rahmen für die Reduzierung von Umweltbelastungen und den Schutz natürlicher Ressourcen. Weitere Informationen zu dieser Richtlinie finden sich im Abschnitt „Klimawandel“. Klimawandel

HUGO BOSS verpflichtet sich zu einem verantwortungsvollen und sicheren Umgang mit Chemikalien und setzt mit seiner Richtlinie zum Chemikalienmanagement einen klaren Fokus auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte. Die Richtlinie definiert eindeutige Vorgaben für die Lagerung, Verwendung und Entsorgung gefährlicher Substanzen, um Umweltbelastungen zu reduzieren und sicherere Alternativen zu fördern. Sie adressiert zentrale Herausforderungen wie die Vermeidung von Wasserverschmutzung sowie die Reduktion von Luft- und Bodenverschmutzung durch die Einhaltung international anerkannter Standards. Dazu zählt auch die Initiative Zero Discharge of Hazardous Chemicals (ZDHC), der sich HUGO BOSS bereits 2017 angeschlossen hat. Diese Initiative bietet standardisierte Tools zur Bewertung und Verbesserung der Chemikalienmanagementpraktiken von Lieferanten.

Ein zentrales Element dieser Initiative ist die ZDHC Manufacturing Restricted Substances List (MRSL), die schädliche Substanzen aufführt, die reduziert oder eliminiert werden müssen. Die MRSL definiert strenge Grenzwerte für kritische Verarbeitungschemikalien und unterstützt Maßnahmen zur Überwachung und Eindämmung der Wasserverschmutzung. Sie ist integraler Bestandteil der Lieferantenverträge von HUGO BOSS und verpflichtet alle Lieferanten, einschließlich unserer eigenen Produktionsstätten, ihre Chemikalienbestände anhand der MRSL regelmäßig zu überprüfen.

Um sicherzustellen, dass unsere Produkte frei von schädlichen Substanzen sind, haben wir eine umfassende Liste eingeschränkt nutzbarer Substanzen (Restricted Substances List, RSL) sowie eine Produkt-Compliance-Richtlinie entwickelt. Diese Dokumente definieren ausführlich klare Anforderungen an Produktsicherheit und Marktfähigkeit und schaffen einen verbindlichen Rahmen für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften entlang unserer Lieferkette. Unsere Lieferanten sind dazu verpflichtet, die Vorgaben der RSL einzuhalten, die den Einsatz von Substanzen in unseren Produkten klar reglementiert und somit definierte Sicherheitsstandards gewährleistet. Die RSL orientiert sich an den Empfehlungen der Apparel and Footwear International RSL Management (AFIRM) Group und beinhaltet deren Substanzlisten, Schwellenwerte sowie Testmethoden, was einen strukturierten und einheitlichen Ansatz im Umgang mit eingeschränkt nutzbaren Substanzen ermöglicht. HUGO BOSS weitet die Verpflichtungen der MRSL und der RSL über seine Tier-1-Lieferanten hinaus aus und fordert auch von seinen Vorlieferanten die Einhaltung der Standards, um ein gemeinsames Engagement für Produktsicherheit und Nachhaltigkeit zu fördern.

Ziele im Zusammenhang mit Umwelt­verschmutzung

HUGO BOSS hat sich verpflichtet, dass sämtliche Tier-1- und direkten Tier-2-Lieferanten, die Nassprozesse einsetzen, bis 2030 den ZDHC-MRSL-Reportinganforderungen oder einem gleichwertigen Standard entsprechen. Der Scope umfasst alle aktiven Lieferanten, mit denen HUGO BOSS im Berichtsjahr Geschäftsaktivitäten durchgeführt hat und die entweder Chemikalien einsetzen (für Chemikalieninventartests) oder Chemikalien und Wasser nutzen (für Abwasseruntersuchungen). Im Jahr 2025 entsprachen 50 % der untersuchten Produktionsstandorte den Anforderungen des Chemikalieninventars (2024: 42 %). Bei den Abwasseruntersuchungen erfüllten 74 % der untersuchten Produktionsstätten die Vorgaben (2024: 62 %). Bis 2025 wurden Zwischenziele für strategische Lieferanten definiert, wonach alle strategischen Tier-1-Lieferanten mit Nassprozessen sowohl für das Chemikalieninventar als auch für Abwasserprüfungen die Anforderungen der ZDHC-MRSL oder eines gleichwertigen Standards erfüllen mussten. Diese Ziele wurden nicht vollständig erreicht, da einige Lieferanten alternative Zertifizierungssysteme für Chemikalienmanagement und Abwasserprüfung nutzen, die derzeit nicht unter die Zieldefinition von HUGO BOSS fallen. Wir halten an unserem Ziel für 2030 fest und prüfen fortlaufend weitere Zertifizierungssysteme hinsichtlich einer möglichen Einbeziehung in den Zielumfang.

Zur Verbesserung der Wasser- und Bodenqualität haben wir uns zum Ziel gesetzt, 100 % unserer wesentlichen Naturmaterialien bis 2030 aus bevorzugten Quellen zu beziehen, wie in unserer Materialstrategie definiert. Dies umfasst alle Stoffe und Futterstoffe (gemessen am Beschaffungsvolumen, ohne Lizenzprodukte). Wir definieren Materialien aus bevorzugten Bezugsquellen als entweder recycelt, aus regenerativer Landwirtschaft stammend oder anderen anerkannten externen Standards entsprechend. Im Jahr 2025 erfüllten bereits 48 % unserer wichtigsten Naturmaterialien diese Kriterien (2024: 32 %; ungeprüft). Das Ziel soll dazu beitragen, die Verschmutzung von Boden und Wasser zu verhindern, indem nachhaltige Anbaumethoden gefördert und der übermäßige Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden minimiert wird. Auf diese Weise möchten wir die Bodendegradation bekämpfen, die Bodenqualität verbessern und Wasserökosysteme vor schädlichen Verunreinigungen schützen. Letztere werden insbesondere durch konventionelle landwirtschaftliche Praktiken wie den traditionellen Baumwollanbau verursacht. Weitere Informationen zu diesem Ziel und unserer Materialstrategie finden sich im Abschnitt „Biologische Vielfalt und Ökosysteme“. Biologische Vielfalt und Ökosysteme

Maßnahmen im Zusammenhang mit Umwelt­verschmutzung

Um die Umweltauswirkungen in der Produktion zu reduzieren, arbeiten wir eng mit unseren Lieferanten und anderen Unternehmen der globalen Bekleidungsindustrie zusammen, unter anderem in Initiativen wie der ZDHC. Durch das ZDHC-Konzept „Roadmap to Zero“ haben wir erweiterte Möglichkeiten zur Überwachung und Verbesserung des Chemikalienmanagements entlang der Lieferkette. Als Mitglied der AFIRM-Gruppe nutzt HUGO BOSS zudem deren Tools, mit dem Ziel, in jeder Produktionsphase höchste Standards für Chemikalieneinhaltung und Produktsicherheit sicherzustellen.

Angesichts der Umweltrisiken, die von Chemikalien in Produkten ausgehen, hat HUGO BOSS bereits 2018 die Verwendung schädlicher Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) in den Produktionsprozessen verboten. Dieses Verbot ist ein fester Bestandteil unserer RSL.

Um sicherzustellen, dass unsere Produkte frei von besonders besorgniserregenden Stoffen (substances of very high concern, SVHC) sind, führen wir regelmäßige Kontrollen durch. Dieses System integriert Prüfberichte von Drittanbietern für unsere Produkte, Stoffe und Besätze und ermöglicht es uns, eingeschränkt nutzbare Substanzen zu überwachen und uns auf die Identifizierung und das Management von SVHCs zu konzentrieren. Dieser proaktive Ansatz zielt darauf ab, die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zu gewährleisten und gleichzeitig die Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher und Umwelt zu reduzieren.